Cubase VST-Workshop
Anpassen des Audiotempo
Möchten Sie das Tempo einer Audiodatei an ein bestimmtes MIDI-Tempo anpassen, funktioniert auch das ohne Probleme. Beachten Sie aber, dass bei nachfolgendem Arbeitsschritt das Audiomaterial im Gegensatz zu den bisherigen Arbeitsschritten destruktiv bearbeitet wird. Das bedeutet, das Audio-material wird verändert. Machen Sie sich aus diesem Grund zunächst ein Duplikat Ihrer Audiodatei, damit Sie eine Sicherheitskopie Ihrer Originalaufnahme besitzen. Benutzen Sie dazu die Funktion Datei duplizieren (Duplicate File) aus dem Menü Datei (File) im Audio-Pool von Cubase VST.
Gehen Sie genau gleich wie beim Anpassen des MIDI-Tempos vor. Lediglich in der Dialogbox zum Ausführen der Tempoanpassung, wählen Sie nun nicht Tempo, sondern Audio.
Cubase VST führt nun automatisch eine Anpassung des Audiotempos durch, indem es einen Timestretching Algorithmus ausführt. Die Audiodatei wird bei gleichbleibender Tonhöhe dem eingestellten MIDI-Tempo angepasst. Timestretching ist ein tolles Werkzeug, sollte aber auch mit einer gewissen Vorsicht angewandt werden. Weichen Sie beim Einstellen des neuen Tempos zu stark vom Originaltempo der Audiodatei ab, kann sich das durch eine Klangverschlechterung bemerkbar machen. Moderne Timestretching Algorithmen wie in Cubase VST arbeiten zwar schon sehr sauber, aber ein unbegrenztes Ändern des Originaltempos ist nicht möglich. Wann und wie stark ungewünschte Nebeneffekte auftreten, hängt auch vom verwendeten Audiomaterial ab. Menschliche Stimmen stellen z.B. wesentlich höhere Anforderungen an den Timestretching Algorithmus als z.B. Drumloops oder synthetisches Material. Experimentieren Sie aus diesem Grund so oft es geht mit Timestretching und auch Pitchshifting und sammeln Sie somit wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Audiomaterial.
Das Anpassen des Audiotempo ist eine tolle Sache und war vor einigen Jahren in dieser Form noch nicht denkbar. Die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig. Vom Anpassen des Tempo verschiedener Drumloops, die in verschiedenen Tempi vorliegen, bis zum Ausgleich von Timingschwankungen bei Audioaufnahmen von z.B. Gesang, sind hier fast keine Grenzen gesetzt.
Christian Hunziker |